Reaktionen auf den Schulöffnungsplan: Maximal Befriedigend

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Lehrergewerkschaft fehlt Sicherheitskonzept, Opposition vermisst Zeitplan und Perspektive für Oberstufenklassen

Er hat es geahnt: Es allen recht machen wird schwierig werden, erklärte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) bereits bei der Präsentation der Öffnungsschritte im Schulbereich.

Das Wesentliche in aller Kürze: Ab Montag geht der Unterricht in den Pflichtschulen wieder los – für alle Kinder ab zehn Jahren mit Maskenpflicht im Unterricht. Drei weitere Gruppen dürfen zurückkommen: Maturantinnen und Maturanten sowie Absolventinnen von Abschlussklassen und Polytechnischen Schulen. Für Oberstufenklassen und Berufsschulen heißt es weiterhin: Bitte warten! Sie sollen bis zu den Weihnachtsferien daheimbleiben, können aber stundenweise in Kleingruppen an die Schulen geholt werden.

Politische Entscheidung

Die Reaktionen auf dieses Vorhaben der Regierungen waren jedenfalls, wie vom Bildungsminister erwartet: durchwachsen.

Pflichtschullehrergewerkschafter Paul Kimberger (FCG) etwa vermisst ein ausreichendes Sicherheitskonzept. Während es etwa im Handel eine Quadratmeterbeschränkung gibt, reiche aus Sicht der Bundesregierung an den Schulen anscheinend “ein wenig Lüften und da und dort eine Maske”. Außerdem hält der Lehrervertreter das ganztägige Maskentragen im Unterricht für belastend: “Schichtunterricht wäre mir lieber gewesen.” Und dass die Oberstufenklassen bis Weihnachten im Fernunterricht bleiben müssen, hält er für eine rein politische Entscheidung, die wohl nicht faktenbasiert getroffen worden sei, so Kimbergers Einschätzung.

Eltern geteilter Ansicht bei Maskenpflicht

Die Wartefrist für Oberstufenklassen gefällt auch den Elternvertretern der mittleren und höheren Schulen nicht: “Das verstehen wir nicht, und das lehnen wir ab”, formuliert es Elternvereinssprecherin Elisabeth Rosenberger vom BEV. Sie lehnt auch eine Maskenpflicht als “absolutes No-Go” ab. Anders sehen das die Elternvertreter an den Pflichtschulen: Ihnen ist das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes lieber als dauerhafter Unterricht vor dem Computer.

SPÖ-Bundesparteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner hält die Öffnung der Pflichtschulen für “richtig” und sieht darin ihre Forderung erfüllt. Doch dies sei nur ein erster Schritt. Nun gelte es, auch klare Sicherheitsregeln an den Schulen und Unterstützung der Bundesländer durch die Regierung, wie etwa bei den Lehrertestungen und der Ausstattung mit Masken, umzusetzen.

In den Bundesländern wurde die Teilrückkehr zum Präsenzunterricht unterschiedlich aufgenommen. Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) zeigte sich “erfreut” darüber und ließ wissen, dass er die Lockerungen mittrage. Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) begrüßte, dass der Regelbetrieb in den Pflichtschulen wieder aufgenommen wird: “Jeder Tag, an dem unsere Kinder Bildung erhalten, zählt.” Kritik kam von der niederösterreichischen FPÖ-Bildungssprecherin Vesna Schuster: “Auf die verantwortungslosen Schulschließungen folgt ab 7. Dezember die Maskenpflicht für alle Schüler ab dem zehnten Lebensjahr.” Die Industriellenvereinigung spricht von einer “richtigen Prioritätensetzung” mit einem Fokus auf Grundbildung sowie Übergangs- und Abschlussklassen.

Zeitplan gesucht

Doch auch innerhalb der SPÖ sind nicht alle zufrieden, so geht Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid mit den Details des Faßmann-Plans durchaus hart ins Gericht. Etwa was die angekündigten regelmäßigen Tests für Lehrkräfte oder die von Faßmann in Aussicht gestellten mobilen Testteams für Schulen in allen Bundesländern anlangt: Für beide Maßnahmen vermisst sie einen konkreten Zeitplan. Auch das vom Minister in Aussicht gestellte Förderprogramm stehe finanziell auf schwachen Beinen, sei aber absolut notwendig.

Auch die Neos haben Bedenken. Bildungssprecherin Martina Künsberg Sarre findet: “Die Oberstufe muss rasch zurück.” Es könne nicht sein, dass ältere Schülerinnen und Schüler über Monate keinen Präsenzunterricht haben. Die pinke Forderung ist und bleibt: Zur Not müsse ein “kontinuierlicher Schichtbetrieb” sicherstellen, dass auch Oberstufenschülerinnen und -schüler in Kleingruppen zum Unterricht kommen können.

Source- derstandard.at